ERFAHRUNGSBERICHT: Ich ...beim Yoga.

 

 

Wir vom Zazen hatten Besuch von SEEN, dem regionalen Sportszene-Magazin! 

 

Ein Artikel von Tobias Feuerhahn, onlinemagazin SEEN-MAG 

 

 

Im Fußball ist der Großteil unserer Leserschaft bestens bewandert, viele verknüpfen ihre Leidenschaft zum Sport in erster Linie mit Eintracht Braunschweig. Auch die Basketball- und Footbalfans unter Euch bedürfen in der Regel keiner Einführung mehr, wenn es um die favorisierte Leibesertüchtigung geht. Was aber ist mit den anderen, kleineren Sportarten, von denen die Stadt Braunschweig eine Vielzahl beherbergt? In der Kategorie „Ich … beim“ werden wir Euch zukünftig in unregelmäßigen Abständen die – sagen wir – etwas exotischeren Sportarten vorstellen. Und zwar in Form eines Selbstversuchs – denn auch für uns bedeutet der jeweilige Bereich oftmals Neuland. Ziel dabei ist es, das attraktive und mannigfaltige Sportangebot der Löwenstadt aus möglichst vielen Blickwinkeln zu beleuchten, den Lesern neue Perspektiven zu eröffnen und sie bezüglich des unerkundeten Gebiets ganz am Anfang „abzuholen“. Den Beginn macht heute: Yoga.

In weiten – vornehmlich männerdominierten – Sportlerkreisen wird Yoga gerne als bessere Gymnastik für Frauen mittleren Alters abgetan. Eigentlich komisch, haben doch renommierte Profisportler mittlerweile Yogapraktiken fest in ihren Trainingsalltag integriert. Ein prominentes Beispiel ist Dirk Nowitzki. Der notorisch hüftsteife Basketball-Star zieht verschiedene Übungen aus dem Yoga-Bereich heran, um ein wenig flexibler zu werden. Auch die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich bereits 2006 mithilfe des Jivamukti Yoga-Lehrers Dr. Patrick Broome auf die Heim-WM vorbereitet, der seitdem zum Trainer-Team der deutschen Nationalmannschaft gehört und somit auch 2014 zum vierten WM-Sieg einen gewissen Beitrag geleistet hat. Warum also sind auch heutzutage noch so wenige Männer in den Yoga-Klassen anzutreffen, obwohl sich sogar solch hochgediente Meinungsführer bereits offen mit der Lehre befasst haben? Zeit für einen Selbstversuch.

Hierfür haben wir – das SEEN-Team – uns im Braunschweiger Meditations- und Yogazentrum Zazen eingefunden, um unter Anleitung der beiden Lehrerinnen Steffi Manew und Friederike Bode einmal selbst zu erfahren, worum es beim Yoga eigentlich geht und wie sich eine Praxisstunde anfühlt. Vorweg sei gesagt: Sämtliche Teilnehmer des Kurses gehören eher zur Kategorie „ungelenkig“ und sind sportlich gesehen ausnahmslos eher in den Ballsportarten beheimatet – wie man auch unschwer auf den Bildern erkennen kann. Dieser Umstand aber – und das ist meines Erachtens der erste positive Aspekt – ist zunächst völlig unerheblich. Vor der Stunde werden wir ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es von enormer Wichtigkeit sei, das Ego und den Ehrgeiz außen vor zu lassen. Es gehe nur darum, was uns persönlich – ganz individuell – gut tut und sich gut anfühlt. Ein recht erfrischender Gedanke. Kein Konkurrenz- oder Leistungsdruck wie man es aus anderen Sportarten gewohnt ist. Jeder schaut nur auf sich selbst.

 

 

 

 


Übrigens geht es beim Yoga nicht ausschließlich um Dehnübungen und – für den Laien – merkwürdig anmutende Verrenkungen. Das Yoga Sûtra beschreibt einen Pfad bestehend aus acht Gliedern. Niedergeschrieben wurde die Sammlung kurzer Verse über Wesen und Wirkungen des Yoga vom indischen Gelehrten Patañjali bereits zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr. Dieser achtgliedrige Pfad beinhaltet das Ziel, den Weg zu sich selbst zu finden. Die körperliche Komponente – das Üben von Yoga-Haltungen – ist lediglich ein Teil davon, stellt eine Art Vorbereitung dar.

Für bislang unbefleckte Yoganeulinge ist bereits der erste Schritt der wichtigste: Man muss sich bewusst auf die Praktiken einlassen. Gerade für Sportler, die sich vorher eher unbewusst mit dem eigenen Körpergefühl beschäftigt haben, mag vieles in einer Yogaklasse vorerst unwirklich scheinen. Das Ergebnis aber kann sich durchaus sehen lassen. Begonnen haben wir die Stunde mit einer Atemübung. Auf dem Rücken liegend, die Augen geschlossen. Eine etwas andere Art der Einstimmung als die meisten es vom Fußballplatz oder aus der Basketballhalle gewohnt sind. Dennoch: Ich hatte das Gefühl, entspannter und lockerer zu sein für das, was noch kommen sollte. Und ob man es glaubt oder nicht: Es ist gar nicht so leicht, sich von sämtlichen Gedanken zu lösen und sich dieser Entspannung mal bewusst für ein paar Momente hinzugeben.

 

Nach der Erwärmung der Gelenke wurde es auch körperlich etwas anspruchsvoller. Unterschiedliche Sonnengrüße, Krieger und Balanceübungen standen auf dem Programm. Alles mit ausgiebiger Einführung für die ungelenke Truppe vom Fußballplatz. Trotzdem fiel es mitunter schwer, den Faden nicht zu verlieren – und zwar aus verschiedenen Gründen. In der bewussten Atmung liegt einer der essentiellen Aspekte des Yoga verborgen. Eine ruhige, gleichmäßige Atmung bildet die Grundlage der angemessenen Ausführung einer jeden Praktik. Nicht umsonst üben sich auch Taucher oder Scharfschützen in der Kunst des Yoga. Als blutiger Anfänger erweist es sich als Herkulesaufgabe, während des Sonnengrußes B in Verbindung mit dem Krieger 1, dem Ausfallschritt mit Rumpfstreckung zur Weitung des Brustkorbs, Drehungen und Dehnungen in Körperbreichen, die scheinbar nur darauf gewartet haben, einmal auf diese Weise beansprucht zu werden, zusätzlich noch genau auf die Atmung zu achten. Die Atmung sei ein guter Indikator für die Übungen, verraten uns unsere Lehrerinnen. Daran würde man merken, ob die Yoga-Praxis langsamer oder anspruchsvoller ausgeübt werden könne. Die Quintessenz aus dieser Anmerkung: Was für unbeteiligte, missmutige Beobachter anmuten mag wie als Sport getarnte Rentnergymnastik, enttarnt sich bei der Ausführung als durchaus anspruchsvolle Prüfung der Kraft, Motorik und Körperkontrolle.

 

Zum Abschluss kamen wir noch in den Genuss von „Shavasana“ – einer geführten Meditations- und Entspannungsübung. Der Begriff „Genuss“ ist hier sehr wohl treffend und soll keiner Floskel gleichkommen. Durch die Gestaltung der Schlusssequenz erst schien sich der Umfang der gesamten Praxis zu entfalten. Der Kreis war geschlossen.

Auch wenn ich es vorab wohl nicht so erwartet hätte, habe ich das ZaZen tiefenentspannt und dennoch angenehm erschöpft verlassen. Nach dem ersten Eindruck würde ich Yoga als körperlich anstrengende Entspannung oder als entspannende körperliche Anstrengung beschreiben. Die Nähe zu Körper- und Kraftstabilisierungsübungen, die gerne zur Optimierung anderer sportlicher Prozesse herangezogen werden, ist unverkennbar. Vielleicht ergibt sich hieraus der angenehmste Aspekt, der nach einer ersten Yogaerfahrung zu lernen ist. Ob unterstützend zu anderen Sportarten, als Entspannungsausgleich zum Alltag oder auf dem Weg zur Samadhi, der vollkommenen Erkenntnis: Die Praktiken können mit ganz unterschiedlichen, individuellen Zielen betrieben werden – und das ohne grundlegenden Ehrgeiz. Der Weg zu sich selbst eben …

 

Text:    SEEN | copyright Tobias Feuerhahn | Den Artikel findet ihr auch unter   http://seen-mag.de/ich-beim-yoga/

Bilder: SEEN | copyright  Richard Dahlmann


Friederike und Steffi möchten hier nur noch Folgendes ergänzen:

Jungs, die Aktion mit euch hat riesigen Spaß gemacht! Ihr wart super! 
... und wir freuen uns, wenn dieser Artikel dazu beiträgt, mehr Männer zum Yoga hin zu führen... Jawohl!